inforadio, 16.02.2012

Berlinale Tip: Revision

Dokumentarfilme eignen sich zur Spurensuche. Und auch zum Wiederaufrollen vergessener Kriminal-Fälle. Mit "Revision" wird im Forum der Berlinale dem Tod zweier Männer an der polnisch-deutschen Grenze nachgespürt und Ute Büsing ist gebannt gefolgt. Vermessen wird ein Maisfeld irgendwo im Nirgendwo. Am 29. Juni 1992 lagen dort mittendrin zwei tote Körper. Namenlos zunächst. In Brand gesteckt zur Spurenvernichtung. Zwei Roma aus Rumänien, auf Arbeit im gelobten Deutschland.Bis heute ist ihr Tod ungeklärt und ungesühnt und unbestraft. Abgetan als Jagdunfall. Diese Männer wurden mit Wildschweinen verwechselt. Regisseur Philip Scheffner stellt in seinem schmerzhaft genauen Film alles auf Anfang: Warum waren die Fremdarbeiter zur falschen Zeit am falschen Ort und wer hat warum auf sie geschossen? Er ist zu den in ärmlichen Verhältnissen lebenden Roma nach Rumänien gereist und hat die ungeheure Sprachlosigkeit der Familien eingefangen, die ohne Vater und Versorger auskommen müssen. Mit Nichts als einer Handvoll verblichener Fotos als Hinterlassenschaft. Er hat Erntearbeiter, Polizisten, Feuerwehrleute, Jäger-Sachwalter und Staatsanwälte am Tatort Mecklenburg-Vorpommern befragt und wenig mehr bekommen als Ausflüchte, Ungenaues, Peinliches. Und er hat alle Befragten auf "Replay" gestellt, das heißt, ihre Aussagen von ihnen ein zweites Mal beglaubigen lassen. Dass hier eine Straftat zur "Revision" drängt, ist am Ende keine Frage mehr.