Die Welt, 18.02.2012

Unerbittlich genaue Archäologie
Cosima Lutz

Dresen, Scheffner und Heise über den deutschen Rand
(…) eine "Revision", wie sie auch Philip Scheffner (2007 mit "The Halfmoon Files" und 2010 mit "Der Tag des Spatzen" im Forum zu Gast) in seinem gleichnamigen Film-Essay vornimmt. Was Scheffners unerbittlich genaue Archäologie zutage fördert, raubt einem den Atem. 1992, kurz vor dem ausländerfeindlichen Pogrom in Rostock-Lichtenhagen und mehr als zehn Jahre vor Dresens erstem "Wichmann"-Film, wurden in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern zwei Rumänen erschossen. Während in diesem Film immer wieder die Schatten von Windmühlenflügeln das harmlos grüne Feld durchpflügen, befragt Scheffner einen Anwalt, die Fahrer von Mähmaschinen, die damals die Toten fanden, und die Angehörigen. Sie alle hören sich die Tonaufnahmen ihrer eigenen Aussagen noch einmal an, bevor sie weitersprechen; der Zuschauer ist bei dieser Selbstrevision immer mit dabei. (…)